Star Trek XI im Kino
16. Mai 2009 von Vrankey
Am 7. Mai 2009 ist der neue Star-Trek-Kinofilm, kurz “Star Trek” genannt, in den deutschen Kinos angelaufen. Am darauf folgenden Freitag hab ich ihn mir um 20:00 im Münchner Mathäser gegeben. Mein erster Eindruck: wow! Das ist in der Tat was anderes, als man von Star Trek gewöhnt ist. Da wurde einiges auf den Kopf gestellt – was meiner Meinung nach eindeutig positiv zu bewerten ist!
Es hat nun eine Woche gedauert, diesen Beitrag zum Film zu schreiben – aber ich wollte diesen Film nicht mit einem kurzen “Schön war’s” abtun, sondern alles etwas ausführlicher kommentieren. Vorab: ich bin Star-Trek-”Fan”, aber kein “Trekkie” oder “Trekker”, der blass geschminkt oder mit aufgesetzten Spitzohren rumläuft und alle Serien auswendig kennt – aber diesem Film habe ich extrem entgegengefiebert, gerade da ich die Figuren der Originalserie als absoluten Kult ansehe.
Die Kinoreihe wurde mit diesem Werk gründlich entstaubt und in die Moderne gehievt, auch wenn die Rückkehr zur Originalmannschaft um Kirk, Spock u.co. einem im ersten Moment konservativ vorkommen möge – was sich für mich aber absolut nicht bestätigt.
Schon die Schnitte und Kameraführungen der ersten Minuten zeigen: hier waren in der Produktion echte Profis am Werk. Da wird mit Stille während Raumschlachten experimentiert, um dramatische Momente darzustellen, interessante Effekte werden stil- und wirkungsvoll eingesetzt.
Die Geschichte um Kirks Geburt deutet eingangs zudem bereits an, dass dieser Film menschliche Dramen und auch die Entwicklung von Personen zeigt, anstatt auf simple Art eine Raumschiffbesatzung ein kleines Problem (z.B. Bedrohung der Erde oder des Universums) lösen zu lassen – ohne einen tieferen Blick auf die Entwicklung der Charaktere zu werfen. Der Rest des Film bestätigt diesen Eindruck: es geht um die Entwicklung der Figuren Kirk und Spock von klein auf über ihre Jugend bis hin zu ihren Karrieren als hohe Sternenflottenoffiziere, wobei prägende Erlebnisse immer wieder aufgegriffen werden.
Überhaupt wirkt der ganze Film moderner als bisherige Star-Trek-Filme. Nicht nur visuell, sondern auch auditiv: im Film ist anfangs, als Jim Kirk als Kind im Auto fährt, “Sabotage” von den Beastie Boys, und – später in einer Kadettenbar – discotaugliche “Party-Musik” zu hören. Das (klassische) Hauptthema des Films ist etwas anders als bekannt, wurde deutlich und für “großes Kino” passender überarbeitet.
Das Design des Schiffes und der Uniformen aus der Original-Serie wurde perfekt ins 21. Jahrhundert geholt: es wird glaubhaft, man erkennt es sofort, trotzdem wirkt es noch modern und zeitgemäß. Auch die Soundeffekte z.B. bei Warpflügen und Raumschlachten passen perfekt ins Bild.
Die neuen Darsteller geben den Figuren eine jugendlichere, lockere Ausstrahlung. Der Humor, mit dem sie ihre Figuren spielen, wirkt frisch und ist absolut großartig – vielleicht ist das der witzigste aller Star Trek Filme!
Zu den Protagonisten im Detail:
Kirk passt super. Pine gibt dem Charakter sogar noch mehr Humor als Original-Kirk Shatner.
Spock junior passt visuell auch – aber er bleibt etwas “blass”. Das passt allerdings zur Entwicklung der Figur, schließlich ist der junge Spock ja noch ein langweiliger, vulkanischer Streber, der sich erst später entwickelt.
Spock senior wurde erwartet großartig von Original-Darsteller Leonard Nimoy wiedergegeben – er wirkt nur “reifer” und mit sich selbst zufriedener als in den alten Filmen.
Karl Urban als McCoy ist das Highlight. Die gleiche Mimik, die passende Ausstrahlung – DeForrest Kelley wurde perfekt getroffen. Urban wirkt etwas frischer und robuster als Kelley in jungen Jahren, aber auch das passt ja, da Urban einen jüngeren Pille spielt. Die bissigen Sprüche Richtung Spock bringt er humorvoll, perfekt und glaubhaft rüber.
Scotty reloaded hat mit dem Original-Scott fast nichts zu tun. Simon Pegg gibt der Figur eine ganz neue Richtung. Auch das ist gut – schließlich soll der Film eine Neuinterpretation und nicht nur Plagiat sein. Ist sicher Geschmackssache, aber ich finde Pegg macht seine Sache sehr, sehr gut!
Die Darsteller von Sulu und Uhura machen ihre Sache ebenfalls gut. Gerade Uhura, die im neuen Film sowieso eine größere Rolle und Bedeutung hat – sie wirkt deutlich selbstbewußter. Von ihrer ehemaligen und erneuerten Beziehung zu Spock war im “alten Universum” nichts zu merken, auch das ist ein neues Element!
Checkovs Akzent und Verhalten insgesamt wirken im Vergleich zum Original extrem überdreht. Man darf aber nicht vergessen dass die Figur Checkov in dem Film erst 17 Jahre alt ist. Noch mangelnde Englischkenntnisse und eine etwas aufgedrehtere Natur sind also nicht so ungewöhnlich
– wenn auch ein bißchen gewöhnungsbedürftig.
Bruce Greenwood als Captain Pike ist ebenfalls großartig. Er wirkt anders als im Piloten der Original-Serie – aber besser, seine erhabene, weise Souveränität wurde gekonnt weiterentwickelt. Hier ist den Produzenten wirklich eine Top-Besetzung gelungen.
Zur Handlung: Viele “Trekkies” werden aufheulen bei dem Frevel der Autoren, fast das komplette Star-Trek-Universum ungeschehen zu machen. Durch Neros massive Eingriffe in die bekannte Zeitlinie – der Tod von Kirks Vater und die Zerstörung von Vulkan – und auch durch die “korrigierenden” Maßnahmen des alten Spock, ja überhaupt durch seine Anwesenheit in dieser Zeit muss nichts so passieren, wie aus den anderen Serien (“Star Trek: Enterprise” ausgenommen, das ja vor dieser Zeit spielt) und Filmen bekannt. Ironischerweise haben manche Trekkies ja gefordert, eben “Star Trek: Enterprise” wegen angeblicher Logikfehler aus dem offiziellen “Canon” zu entfernen – jetzt umfasst die bisher “festgeschriebene” Handlung jedoch nur diese Serie und den neuen Film! ![]()
Man kann motzen wie man will: dieser Schritt war notwendig. Es wäre künftigen Autoren nicht mehr zumutbar bis unmöglich gewesen, die Story-Fülle aus 40 Jahren Star Trek für jede neue Episode durchzuwälzen, um ja keine Widersprüche zu generieren. Durch diese Maßnahme muss alles nicht so passiert sein – kann jedoch! Und solange sich DVD-Boxen nicht in Luft auflösen, bleibt Fiktion als solche erhalten.
Abgesehen davon: noch nie war so viel Handlung in einem Star-Trek-Film, und noch nie wurden Charakterentwicklungen so offensichtlich dargestellt – früher wurden sie in den Kinofilmen bestenfalls angedeutet. Gerade das Verhältnis Kirk/Spock hat nun durch eine grandiose Vorgeschichte neue Dimensionen erhalten.
Fazit der Bewertung: “Star Trek” ist großes Kino. Vielleicht (bis wahrscheinlich) der beste Star-Trek-Film überhaupt – witzig, actionreich und spannungsgeladen wie zu besten Zeiten, dramatisch und tiefgängig wie (im Kino) nie zuvor. Vor allem ist er auch mal ein großartiger Kino-Streifen (auch für Star-Trek-Newbies). Klar vermisst man erst mal die alten, bekannten Darsteller, die neuen machen ihre Sache jedoch so gut wie möglich.
Der Film schreit übrigens geradezu nach einer Fortsetzung – als Film und vielleicht auch als Serie. Star Trek 12 ist schon angedacht und könnte 2011 in die Kinos kommen – wenn die Einspielergebnisse stimmen. Und im Moment scheint das sehr gut auszusehen. Ich würde mich freuen, denn das neue “Star Trek” gefällt!
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klasse Review! Mir hat der Film ebenso gefallen wir dir… das beruhrigt mich, denn von anderen hab ich mehr so ein ‘Hurra, Kinderüberraschung im All! ‘ Feedback bekommen. Da ists schon toll, wenn jemand den eigenen Geschmack teilt