Michael Jackson – This Is It – Review
31. Oktober 2009 von Vrankey
Am Donnerstag, den 29. Oktober 2009, startete in den Kinos der Film “This Is It”, welcher die Vorbereitungen zu Michael Jacksons ursprünglich geplanter, gleichnamiger Tournee zeigt – und zu der es aufgrund des tragischen Todes des King of Pop leider nie kommen konnte. In den deutschen Kinos ist der Film für zwei Wochen im Original mit deutschen Untertiteln zu sehen. Die Karten waren schnell vergriffen, für gestern hatte ich jedoch noch welche bekommen und den Film gesehen.
In “This Is It” waren natürlich auch einige Songs von Michael Jackson zu hören, die auf dem Soundtrack in der Reihenfolge enthalten sind, in der sie im Film vorkommen:
Im Wesentlichen setzt sich der Film einerseits aus Probeaufführungen der einzelnen Songs, in deren Fokus natürlich Michael Jackson stand – jedoch auch die komplette Bühnenperformance samt Special Effects zu sehen war – sowie andererseits Gesprächen zwischen Michael Jackson und seinen Mitarbeitern wie Produzent Kenny Ortega zusammen. Vereinzelt gaben auch weitere Mitarbeiter ihre Kommentare zur geplanten Show und ihren persönlichen Eindrucken von Michael Jackson ab. Hier wurde eine angenehme und passende Mischung erreicht.
Zuallererst zur Frage nach Michael Jacksons Form: wenn der Film diese repräsentativ für seine tatsächliche Gesamtverfassung eingefangen hat, bin ich äußerst überrascht. Gesanglich war Michael Jackson in absoluter Topform, abgesehen von ein paar absichtlichen Pausen, für die er sich jedoch mit dem verständlichen Hinweis entschuldigte, er müsse seine Stimme schonen.
Auch seine Bühnenperformance war beeindruckend. Dass er nicht mehr pausenlos so energisch herumsprang wie zu Zeiten der Dangerous-Tour (siehe “Live In Bucharest” 1992), war aufgrund seines Alters von 50 Jahren und seines bekanntermassen nicht optimalen Gesundheitszustands zu erwarten. Im Rahmen dessen war er jedoch erstaunlich fit dabei. Seine Bewegungen waren insgesamt spärlicher, an Eleganz und Prägnanz den Songs und der Show jedoch angemessen. Und teilweise blitzte immer noch der “alte” Jacko auf, was mich durchaus verblüffte.
Auch das Bild des skurrilen, abgehobenen Einzelgängers, das in der Medienwelt gerne zu Michael Jackson aufgebaut wurde und wird, kann durch den Film so nicht bestätigt werden. Jackson zeigte sich als humor- und verständnisvoll im Umgang mit seinen Mitarbeitern, ging auch darauf ein was sie, vor allem Ortega, beitragen, ohne seine klaren Vorstellungen von der Show aus den Augen zu verlieren, die er mit großem Einsatz verfolgte. So machte er schon zu Beginn bei “Wanna Be Startin’ Something” als lebendige Beatbox anschaulich, wie er sich den Sound vorstellt. Bei “They Way You Make Me Feel” wurde er nicht müde, mit dem Musikproduzenten die Betonung einzelner Akkorde auf dem Keyboard durchzugehen. Sympathisch auch, wie er seine Gitarristin bei “Black Or White” zu einem Solo ermunterte und ihr sagte, das es nun “ihr Auftritt” sei.
Die Bühnenshows und Special Effects waren von beeindruckender Opulenz. Da fragt man sich, wovon Michael Jackson das bezahlen konnte – gleichzeitig kann man jedoch erahnen, welcher Erfolgsdruck auf allem und speziell Jacko lastete. Ein Abbruch der Tournee oder ein Flop hätten wohl zu einem finanziellen Desaster geführt, bei diesem Aufwand: neue 3D-Szenen für “Thriller”, ein intelligent produzierter Schwarz-Weiß-Krimi für “Smooth Criminal”, eine aufwändige Simulation der Zerstörung des Regenwalds für den “Earth Song”, eine live in Interaktion mit 10 Bühnentänzern erzeugte Armee von 1000 Soldaten für “They Don’t Care About Us”, große Feuerwerke, Hebebühnen – und natürlich mehr Tänzerinnen und Tänzer als je zuvor. Fast schon überflüssig zu sagen, dass die Auswahl an Musikern von allerhöchstem Niveau war.
Fazit: eine auch in der Länge absolut angemessene Dokumentation der Proben zur Tournee, die ein beeindruckendes Bild zu einer großen Show hinterlassen, die leider nie stattgefunden hat. Wäre es doch zur “This Is It”-Tour gekommen, und hätte Jacko sie durchgehalten: sie wäre bestimmt ein riesiger Erfolg geworden und hätte dem “King of Pop” zu einem Comeback verholfen. Das Genie Jacksons wird beeindruckend eingefangen und ein Künstler gezeigt, der wie kein anderer auf allen Feldern seines Schaffens – Musik, Performance, Bedeutung der Texte, Zusammenwirken aller Teile – stets den Überblick behielt und ein großes Gesamtkunstwerk schaffte. Positiv ist auch zu vermerken, dass darauf verzichtet wurde, emotionale Reaktionen von Jacksons Mitarbeitern nach dessen Tod kommerziell auszuschlachten.
Einen klaren Kritikpunkt stellt die jetzige Vermarktung des Audio-Materials dar. Die neue, durchaus gute Single “This Is It” – eine bisher zurückbehaltene Ballade aus den 80er Jahren, die im Abspann des Films zu hören ist – ist der einzige “neue” Track auf einem Album, und nur auf diesem als physischen Tonträger zu haben. Keine Single, keine Downloads – wer den neuen Song haben will, muss sich diese x-te Best Of mit zwei Versionen von “This Is It” als Ergänzung kaufen. Auch wenn eine zweite CD mit drei (Wow…) Demo-Aufnahmen und einem Gedicht dabei ist, und der Preis für das Album salomonische €10 beträgt: wenn DAS die Vermarktungsstrategie für das bisher unveröffentliche Material sein soll, viel Spaß. Fraglich, wer pro “neuen” Song eine weitere Best-Of-Variante kaufen will.
Ein zur Abwechslung komplett neues Album ohne Greatest Hits inklusive würde wohl mehr Aufmerksamkeit bekommen und verdienen. Den kommerziellen Flop “Invincible” ausgenommen liegt so was jedoch, mit dem Release von “Dangerous” im Jahr 1991, nun schon 18 Jahre zurück.
Ich hab das Vergnügen den Film zu sehen! Sehr gut, bin sooo glücklich! Es lohnt sich!