Fender Telecaster im Vergleich
25. April 2009 von Vrankey
Viele Diskussionen um das beste E-Gitarrenmodell drehen sich um einen Wettlauf zwischen Fender Stratocaster und Gibson Les Paul, so dass der Klassiker unter den Modellen oft ausgeklammert wird: die Fender Telecaster. Sie gilt als die erste E-Gitarre überhaupt und war eine Art “Vorgänger” der Stratocaster, welche die Tele zwar inzwischen an Popularität sicherlich überholt hat, jedoch nie wirklich verdrängen konnte.

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Der Vergleich zwischen Strat und Paula ist ein Vergleich von klarem, transparentem, “punchigem” Sound mit breitem, druckvollem, sustainvollem Klang. Im Prinzip geht es hier um zwei Extreme, nämlich einerseits um Single-Coil-, andererseits um Humbucker-Sound in Reinform. Die meisten anderen Modelle stellen Versuche dar, Kompromisse zwischen beiden Polen erreichen. So sind viele Ibanez-Gitarren Stratocaster-ähnliche Modelle mit Humbuckern, während bspw. die Gibson SG eine härtere Variante der Les Paul darstellt.
Es stellt sich jedoch die Frage, ob es sinnvoll ist, immer nach Kompromissen zu suchen, zumal diese oft Lösungen darstellen, mit denen keiner der Ansprüche erfüllt wird und keiner zufrieden ist.
Vielleicht ist es hier besser, die Qualitäten der Originale getrennt zu nutzen und mit mehreren Gitarren einen gesunden Mix zu basteln. Und dabei sollte der Blick eben nicht nur auf Stratocaster- und Paula-Modelle gerichtet sein, gerade wenn man bei den Modellen in “Reinform” gewisse klangliche Aspekte vermisst.
Die Les Paul wird von vielen als die “Königin” unter den E-Gitarren verehrt. Tatsächlich gibt es kaum eine E-Gitarre, die von sich aus einen breiteren Sound liefert. Das Sustain ist für Soli hervorragend geeignet.
Insgesamt kann einem aber oft etwas der “Punch” fehlen – sowohl für Rhythmus-Parts, als auch für nette Akzente beim abwechslungsreichen Solieren. Zudem kann man argumentieren, dass es eher Aufgabe der Effektkette oder der Produktion sein könnte, dem Sound Breite, Fülle und Sustain zu geben. Mit einer Paula kann es manchmal schwer sein, Akzente zu setzen.
Als Einsteigergitarren sind (meist billige
) Paula-inspirierte Modelle oft deshalb so gut geeignet, weil man auf ihnen rumklampfen kann wie man will: es klingt immer “gut”. Druck, Breite und Sustain sind auch schon da, wenn man noch nicht wirklich gut greifen kann.
Auf der anderen Seite steht die Fender Stratocaster: diese liefert einen klaren Sound mit Punch, der sich stets von seiner Umgebung abheben kann und hervorragend für Rhythmus-Parts geeignet ist. U.a. David Gilmour und Jimi Hendrix haben auch bewiesen, wie man in Soli unglaubliche Akzente setzen kann. Das Sustain ist im Ursprung eher mager, kann jedoch mit Effekten eindrucksvoll hergestellt werden.
Teilweise ist der Strat-Sound jedoch etwas “too much”. Zu viel Druck (im Sinne von “Punch”) ist oft unangebracht, und der klare Sound kann oft kitschig wirken, gerade bei effektarmer Produktion (siehe Ricky King … Argh!). Man möchte ja nicht immer den Klang der Gitarre hinter einer Effektwolke verstecken, sonst könnte man sich gleich auf Synthesizer konzentrieren. Tatsächlich wirkt eine cleane, gänzlich unproduzierte Stratocaster auf mich irgendwie, um es mit einem Wort zu sagen: enttäuschend.
Die vorangegangenen Beschreibungen der beiden Modelle lassen vielleicht vermuten, warum Kompromisse zwischen beiden Gitarren oft nicht das gewünschte Ergebnis bringen. Weniger Punch zugunsten von mehr Breite lässt den Klang nicht unbedingt automatisch weniger kitschig werden. Umgekehrt ist druckvoller, breiter Sound, der mit Punch angereichert ist, oft nicht die Universallösung, außer man möchte nur Doom Metal spielen.
Wer sich schon mal solche oder ähnliche Gedanken gemacht hat, aber noch keine Telecaster gespielt hat, sollte dies dringend nachholen. Diese Gitarre hat einen transparenten, dünnen, klaren Sound, der aber, im Vergleich zu Stratocaster, nie kitschig oder aufdringlich klingt. Eine Tele klingt von Natur aus “rotzig”, gerade im Vergleich zum klassischen Ricky-King-Strat-Sound. Der “Twäng” (sagt alles
) der Telecaster ist legendär und bringt im Alternative- bzw. Indie-Bereich eine genauso interessante Note wie in klassischem Country- oder subtilem Pop-Bereich.
Viele sagen, der Sound der Tele sei zu dünn. Dem kann man dagegen halten: wer mehr Sustain oder Druck will, kann Effekte zuschalten. Zudem ist der dünne Sound immer noch durchsetzungsfähig genug, um gegen Synthies und Rhythmus-Gitarren zu bestehen. So spielte selbst der Les-Paul-fanatische Led-Zeppelin-Gitarrist Jimmy Page im Studio z.B. das Gitarrensolo von “Stairway To Heaven” auf einer Telecaster ein, da es einfacher war, mit dieser die ausreichende Präsenz hinzubekommen. Das gute ist: man hat Punch, aber nie zu viel.
Mit einer Telecaster kann man mit Sicherheit nicht immer den Sound hinbekommen, den man sich wünscht, wenn man die Eigenschaften einer Stratocaster und einer Les Paul zu schätzen weiß. Es wäre auch schlimm wenn es so eine Universalgitarre gäbe: Sound sollte vielseitig sein, und dazu braucht man auch vielseitige “Hardware”, statt immer Kompromisse zu zimmern (s.o.).
Die Vielseitigkeit der Tele lässt sich durch folgende Auswahl an Songs belegen, die aus (teilweise sehr) verschiedenen Stilrichtungen kommen und allesamt die Vorzüge der Telecaster zu nutzen wissen – viel Spaß beim Rein- oder Anhören!
Bloc Party – Banquet
The Clash – Should I Stay Or Should I Go
Coldplay – Talk
Foo Fighters – Cold Day In The Sun
Led Zeppelin – Stairway To Heaven (Gitarrensolo)
Pink Floyd – Astronomy Domine
The Police – Roxanne
Radiohead – Creep
Rage Against The Machine – Killing In The Name
Rolling Stones – Start Me Up
(tbu.)
Tags: Stratocaster, Telecaster, Twäng
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[...] Fender Telecaster im Vergleich hatte ich jüngst bereits über die Fender Telecaster philosophiert – nun habe ich mir vor 2 Tagen [...]
superdrupermegapuper54321…
Very usefull info. Thanks!…
Sehr cool! Endlich mal jemand, der es versteht dieses Thema so zu sehen!
hey,
super beitrag. ich beschäftige mich zur zeit ebenfalls mit dem thema. Im moment spiele ich eine Epiphone Gitarre, möchte jetzt aber sehr gerne eine Fender Telecaster 52´vintage hot rod spielen.