September ’09: Muse – The Resistance
12. September 2009 von Vrankey
Endlich ist es da: das neue, fünfte Studiumalbum von Muse. Nach dem ungeschliffenen Debüt “Showbiz”, dem hardrockigen Durchbruch “Origin Of Symmetry”, dem grandiosen Konzeptalbum und bisherigen Höhepunkt ihres Schaffens “Absolution” und dem kommerzielleren “Black Holes And Revelations” wollen Muse mit “The Resistance” partiell andere Wege gehen. Elektronischer, puristischer, näher an ihren eigenen Vorstellungen – das waren die Vorgaben, die auch ihren exzessiv, u.a. über Twitter kommunizierten Vorankündigungen zu entnehmen waren.
Per Amazon-Widget kann man in 30-Sekunden-Snippets jedes Tracks reinhören:
Was taugen die Songs in voller Länge, bzw. das Album im Ganzen?
Der Opener Uprising ist die perfekte Wahl einer Vorab-Single, gerade nach dem letzten Album. Er vereint die Melodik von “Starlight” und den Charme des Beats von “Supermassive Black Hole” mit Marilyn-Manson-Rhythmik in subtilerer Form. Genial sind auch die intelligent platzierten wuchtigen Drums. Ein toller Einstieg in ein Muse-Album, sehr gelungen!
Der nachfolgende Titeltrack Resistance beginnt mit einem ruhigen, Raum atmenden Keyboard-Klangteppich und steigert sich im Knights-Of-Cydonia-(bzw. “Achilles-Last-Stand”
)-Tempo, bevor er in einer mitreißenden Bridge gipfelt, in welcher ein Queen-artiger Mini-Chor mantra-artig “It Could Be Wrong” wiederholt und sich mit Bellamy’s Lead Voice duelliert. Der Refrain wirkt trotz seiner offenen Powerchords eher entspannend und ist nicht minder eingängig. Insgesamt ist der Song sogar noch besser als sein Vorgänger und ein ganz heißer Nachfolge-Single-Kandidat!
Undisclosed Desires ist der erste Albumtrack, welcher dem Gewohnheitsfan ein “Oha!” entlocken dürfte. Dieser Song dürfte das Pendant zu “Supermassive Black Hole” von “Black Holes & Revelations” sein, was Entwicklung Richtung Mainstream angeht. Tatsächlich ist dies auch der erste Muse-Track, dessen Instrumentalpart komplett am Computer entstanden ist. Von der Depeche-Mode-inspirierten Atmosphäre her wirkt er wie eine Fortführung von “Map Of The Problematique”, nur weit elektronischer, im Sound kompakter und charts-tauglicher. “Undisclosed Desires” dürfte damit viele Fans vor den Kopf stossen, unbestritten ist er jedoch ein verdammter Ohrwurm – und man sollte ihm mit Sicherheit eine Chance geben, wenn einen der Track schon nicht sofort einfängt!
Der Doppeltrack United States Of Eurasia (+Collateral Damage) lässt mich, speziell aufgrund der Piano-Basierheit und der Struktur, an Songs des letzten Coldplay-Albums denken, ist aber weitaus anspruchsvoller und intelligenter. Hier kommt Bellamy’s Genie am Piano voll zur Geltung. Der Track ist insgesamt eher von ruhigem Tempo und gemächlich, bis ihn die orientalischen Streicherparts und die (hier sehr offensichtlich
) an Queen angelehnten, experimentellen Vocals lauter werden lassen. Das ist definitiv ein Grower, der noch sehr sehr groß werden wird, das weiß ich jetzt schon.
Guiding Light ist ebenfalls langsam, aber wuchtiger, die Kombination aus Drums und Keyboards erinnert mich an “ruhige” Songs des White-Lies-Albums. Von der Atmosphäre her dürfte das mit der positivste, ja sogar schon richtig gut gelaunteste Track von Muse sein, den ich überhaupt kenne. Das in der Mitte über die Keyboards gelegte Gitarren-Solo erinnert mich an Dream Theater (um 1992)… was vor dem Hintergrund amüsant ist, dass diese umgekehrt in den letzten Jahren teilweise sehr offensiv versucht haben, wie Muse zu klingen.
Der längste (Einzel-)Track des Albums ist, mit einer Spielzeit von 6:54, das nachfolgende Unnatural Selection. Das ist ein Track, nach welchem konservative Muse-Fans an dieser Stelle wohl bereits lechzen – auf “Origin Of Symmetry” würde er mit seinem Kirchen-Orgel-Intro, seinen gnadenlos rotzenden Gitarren, seiner dramatischen Harmonik im Refrain und dem progressiv-pink-floyd-igen Mittelteil nicht auffallen. Super, schön so was mal wieder von Muse zu hören! Und das tolle ist, der Song passt damit auch ins Bild des neuen Albums. Genial auch das Outro, purer Hardrock!
Track 7, MK Ultra, startet wieder synthie-lastig, aber dennoch rockig. Obwohl die Gitarren zuerst im Hintergrund stehen, wirkt dieser Song da schon sehr “bodenständig”. Die nachfolgenden Chorgesänge, die düstere Atmosphäre, die weinenden Streicherparts und die treibenden Gitarren formen ein Bild, das stark an “Absolution” und auch etwas an “Origin Of Symmetry” erinnert, gerade der Refrain. Die Komposition fängt einen auf Anhieb aber auch erst dort richtig ein – der Song könnte aber ein Grower sein. Da heißt es abwarten.
Der Anfang von I Belong To You (+ Mon Coeur S’Ouvre A Ta Voix) ist schon absolut grandios. Einen rhythmischen, piano-basierten Track hat man von Muse auch noch nicht gehört.
Überzeugt mich sofort, ganz ganz groß! Der Refrain könnte vielleicht etwas mitreißender sein.
Der französischsprachige zweite Teil des Songs ist gewiss Geschmackssache, von Instrumentellen her aber mit Sicherheit äußerst hochwertiger Kitsch. Und um 4:00 rum klingt es richtig schön alt klassisch, in einer tollen Atmosphäre, bevor das Thema des ersten Teils wieder aufgegrifen und mit einem Bläsersolo kombiniert wird, das im Outro mündet.
Was für ein Track! Den werde ich gewiss noch einige Male hören. Verdammt interessant!
Die Tracks 9-11 bilden das Abschluß-Epos Exogenesis, eine über 13 Minuten lange Symphonie bestehend aus den drei Teilen Overture, Cross-Polination und Redemption. Der Begriff Symphonie ist dabei keine Anmaßung, das ist wirklich Klassik, ergänzt um E-Gitarren und vereinzelte Drums. Zu den Pianos und Streichern im zweiten Teil kann man eigentlich nur ruhig da sitzen und zuhören, bis einen eine Rock-Wand überrollt. Was für eine Kombination! Rock und Klassik wurden ja schon oft (meist recht verkrampft) kombiniert, aber hier klingt alles wie aus einem Guß, wie von jemanden, der musikalisch in beiden Welten aufgewachsen wird.
In gleichem bis höheren Maße gilt dies für den abschließenden Part “Redemption”, der insgesamt noch ruhiger ist. Nur Drums und leise Gitarren ergänzen hier in der Mitte den von Streichern, Piano und Bellamy’s Stimme getragenen Abschluß – und das Outro dieses Teils ist geradezu perfekt.
Zusammengefasst: wow, was für ein Album! Hier haben sich Muse wirklich sternförmig in alle Richtungen weiterentwickelt, die man bisher von ihnen kannte. Dabei haben sie auch nicht vergessen, altes wiederaufzugreifen und ins Gesamtbild zu integrieren. Die selbständige Produktion kommt insgesamt auch sehr positiv zur Geltung. Dass ihre Ideen dadurch direkter und unverfälschter zum Ausdruck gebracht werden, wie von ihnen angekündigt, trifft den Nagel auf den Kopf. Das Prädikat “puristischer” trifft damit ebenfalls zu.
Und “elektronischer”? Nun ja, eigentlich nicht wirklich, nur teilweise: der Song “Undisclosed Desires” geht wirklich sehr stark in diese Richtung und überzeugt dabei auch vollauf, ist aber nicht repräsentativ für den Gesamtsound, der gerade in der Mitte des Werkes zu hören ist (vom Ende ganz zu schweigen
).
Fazit: das Album enttäuscht keine einzige Sekunde! Es ist weit besser als “Black Holes & Revelations”, das ja doch einige Füller enthält. Ein Rock-Überhammer wie “Knights Of Cydonia” fehlt vielleicht, das ist nach wie vor noch mein Lieblingssong von Muse. Aber wieso sollten sie sich auch kopieren – zumal ich froh bin, dass sie so ein Albumfinale wie “Exogenesis” geliefert haben. Das hat durchaus Anspruch, und das muß man einer so ambitionierten Band auch eingestehen, die ganz objektiv betrachtet (nicht subjektiv, auch in meinem Falle nicht ganz
) die beste Band der Welt ist.
Haben sich Muse nun mit “The Resistance” perfektioniert? Das wird die Zeit zeigen – solche Musik kann leider(?) man nicht schon abschließend am ersten Tag bewerten. Also heißt’s erstmal: weiterhören….
Ich liebe the resistance ich finde es das (bisher xD) beste Album von Muse ♥♥♥ Meine Brüder sagen immer nur ich würde Muse hören, aber irgendwie haben die da ein par Leute *hust ein par* vergessen ^^
Muse ist und bleibt einfach meine Lieblingsband und ich hoffe, dass ich diesen Sommer auch mal auf ein Konzert darf. Entweder Rock am Ring oder Rock im Park. Am liebsten würde ich die ja immer bei mir in der Wohnnung sitzen haben
Muse forever ♥♥♥
Oh man wie soll das werden, wenn Muse aufhört *schnief* Aber die CDs werden immer in meinem Regal stehen und die Musik wird auf meiner Anlage weiterleben ^^
Danke für deine persönliche Meinung und ich stimme dir vollkommen zu