Motorpsycho – Heavy Metal Fruit
25. Februar 2010 von Vrankey
Seit zwanzig Jahren sind die Norweger von Motorpsycho nun schon im Geschäft. Der Name ihres neuen Albums “Heavy Metal Fruit” ist Programm – sind die Ähnlichkeiten und Anleihen zu manchen Riffs der Urmetaller von Black Sabbath aus den 70ern doch schwer zu übersehen. Trotzdem klingt die Band auf ihrem neuen Werk frisch wie eh und je, und nicht zu Unrecht wurde es in der letzten Ausgabe des VISIONS Magazins zum Album des Monats gekürt.
Hier kann man in die Songs von “Heavy Metal Fruit” reinhören:
Die Tracklist des Werkes liest sich folgendermaßen:
01 Starhammer (feat. The Electric Psalmon) 12:57
02 X-3 (Knuckleheads In Space) / The Getaway Special 9:03
03 The Bomb-Proof Roll and Beyond (for Arnie Hassle) 6:01
04 Close Your Eyes 3:39
05 W.B.A.T. 9:43
06 Gullible’s Travails (Parts I-IV) 20:42
Gerade einmal sechs Tracks – das passt natürlich nicht ins Schema massenkompatibler Pop-Alben. Aber darauf zielen die Skandinavier auch gar nicht ab: Songlängen wie 12:57 (Starhammer) oder 20:42 (Gullible’s Travails) Minuten lassen progressive, epische Werke vermuten – und man wird nicht enttäuscht. Abgesehen von den beiden mittleren Tracks bleibt kein Song unter der 9-Minuten-Grenze, jeder dieser Songs sprengt kommerzielle Songstrukturen, ohne sich zu sehr an zu stark entfremdeten Artrock anzubiedern. Black-Sabbath-Riffs wechseln sich mit jazzigen Improvisationen ab, auch für Pink-Floyd-artige Keyboardteppiche ist Platz, und mit Close Your Eyes kann eine waschechte Pianoballade aufwarten.
Es ist schwer, Stücke hervorzuheben, da das Album wie aus einem Guss wirkt und am besten am Stück gehört werden sollte, obwohl es kein Konzeptalbum darstellt. Höhepunkt des Werkes ist jedoch das vierteilige Abschluß-Epos Gullible’s Travails. Dessen Grundriff zählt vielleicht zum Besten, was das neue Jahrtausend im Bereich Rock zu sehr zu bieten hat. Häufig geäußerte Vergleiche mit Kashmir von Led Zeppelin kommen nicht von ungefähr. Das Stück hat darüber hinaus aber noch ruhige Akustikpassagen und epische Soli zu bieten, die Motorpsycho in absoluter Hochform zeigen. Das Outro des Stückes könnte ewig weitergehen – nur selten gelingt es Künstlern, Eingängigkeit und Anspruch so gekonnt miteinander zu verknüpfen!
Doch “Gullible’s Travails” ist nicht der einzige Höhepunkt auf “Heavy Metal Fruit”: schon der Opener Starhammer ist phänomenal. Puristischer 70s Rock wechselt sich hier gekonnt mit Synthie-Konstrukten ab. Der Gesang ist markant, tritt aber nicht zu sehr in den Vordergrund, um einerseits Penetranz zu vermeiden, andererseits aber auch den Instrumentalspuren Raum zu geben.
Die eingangs erwähnten Jazz-Parts wirken nie deplatziert, wie im Doppelstück X-3 (Knuckleheads In Space) / The Getaway Special am besten zur Geltung kommt. Cleane E-Gitarren und Bläser sind Bestandteil einer dezenten Soundkonstruktion, die Können und Anspruch der Gruppe eindrucksvoll untermalt. Auch der Anfang von W.B.A.T ist sehr jazzig, steigert sich jedoch zu einem treibenden Hardrock-Song, ohne gekünstelt zu wirken.
Im mit gut 6 Minuten relativ kurzen The Bomb Proof Roll and Beyound wird in dieser Richtung die härteste Kost präsentiert. Hier wird es sogar fast “free-jazzig”, ein wildes Durcheinander verschiedener Instrumente wird geboten, das manche Fans leichter Musik eher abschrecken wird. Diese Passage gibt dem Werk jedoch eine besondere Note, und man sollte ihm eine Chance geben!
Zusammenfassend kann man sagen: ein tolles Werk, das sofort begeistern kann, für das man sich jedoch zusätzlich Zeit nehmen sollte, um seiner ganze Qualität zu erfassen.
Tags: Heavy Metal Fruit, Motorpsycho