März '09: The Pains Of Being Pure At Heart
20. März 2009 von Vrankey
Das Album des ersten Frühlingsmonats März stammt von den Newcomern “The Pains Of Being Pure At Heart” aus New York. Dieses Debütwerk haben sie schon im Sommer letzten Jahres aufgenommen, und eine entsprechende Stimmung vermitteln die Songs nach dem (hoffentlich!) vergangenen (lästigen!) kalten Winter. In der Presse wird das Album teilweise als grandioser Britpop und “next big thing” (jaja…) angekündigt – Britpop aus New York, wir kennen die Konsistenz der Begriffe ja.
Nichtsdestotrotz, mal zum Musikalischen an sich:
Das Album startet mit dem kurzen, knackigen Contender, das sich im Grundgerüst wesentlich auf drei Gitarrenstimmen aufbaut: einer rotzend verzerrten E-Gitarre und einer Akustikgitarre, die im Gleichschritt schrammeln, sowie einer cleanen E-Gitarre, die dezent begleitet. Dazu angenehmer Leadgesang im Stone-Roses-Stil mit schönen Harmonien und Melodien. Schließlich klingt das ganze aus mit Gitarren-Feedbacks à la ‘Oasis – Definitely Maybe’. Allein dafür gibt’s einen Bonus-Punkt!
Come Saturday legt daraufhin richtig los (diesmal mit Drums). Wieder fühlt man sich wohlig an (leider
) vergangene Zeiten der Stone Roses erinnert. “Soft Punk”, würde man abfällig sagen – wenn man so einen guten Song abwerten wollen würde, warum auch immer. “Power Pop” trifft es eher, wenn man Schubladenbegriffe verwenden will.
Track #3, Young Adult Friction, setzt das Album auf ähnlicher Schiene fort. Diesmal steht etwas mehr die leicht weniger verzerrte Rhythmus-Gitarre im Vordergrund. Das Bass-Interlude gefällt außerordentlich gut. Und bei diesen Background Vocals fragt man sich, warum die Stone Roses (ja, mal wieder) keine Begleit-Sängerin hatten…
Die Kernaussage des nächsten Songs ist: This Love Is Fucking Right! Ok, freut einen.
Im Prinzip ist das ein gemächlicherer Zwillingsbruder des Vorgänger-Tracks. Wer diesen Stil nicht mag, wird Monotonie beklagen. Aber die Selbstverständlichkeit, mit der hier The Smiths und The Stone Roses (Erwähnung Nummer 4, ich weiß) ebenbürtige Klassiker vorgetragen werden, lässt diesen negativen Gedanken im Keim ersticken. Die cleane, effektbeladene E-Gitarre gen Ende … sorry, ich muß die noch extra erwähnen, die ist grandios.
The Tenure Itch ist vielleicht der Klassiker des Albums. Ein Ohrwurm der besten Sorte im besten 80er-Jahre-Stil – und das schreibt jemand, der jahrelang über dieses Jahrzent gelästert hat. Der 80er Jahre-Gitarrensound ist hier auf’s Optimum perfektioniert, der Gesamtsound perfekt minimalisitisch, atmet jedoch durch angemessen platzierte Hall-Effekte. So langsam frag ich mich, ob das Album auch Aussetzer hat?
Der Titel Stay Alive des folgenden Tracks lässt vielleicht die Bee Gees vermuten, wenn man einen Witz reissen will. Aber das lässt man mal besser. Dieser Track basiert etwas mehr auf Akustikgitarre als die vorhergehenden Tracks, behält Tempo, Stimmung und Ohrwurmcharakter jedoch bei. Insgesamt ist er, auch durch die Frauenstimme im Refrain, noch etwas emotionaler. Klingt mehr nach The Smiths als nach….
Die Single-Auskopplung Everything With You zieht das Tempo wieder etwas mehr an. Eigentlich bietet der Track aber trotzdem nichts neues. Trotzdem kann ich nichts kritisieren. Daher springe ich im Text weiter…
…zu Track 8: A Teenager In Love. Dieser bietet nämlich Abwechslung zur rechten Zeit. Das instrumentale Hauptthema beinhaltet typische 80er-Jahre-Synthies – fast schon kitschig. Zu Grunge-Zeiten habe ich so was verabscheut, hier ist es perfekt integriert. Dabei fällt mir ein, dass MGMT vielfach dafür angepriesen werden, Stile verschiedener Jahrzehnte (60er, 70er, 80er) auf authenthischer Art und Weiseperfekt zu kombinieren. The Pains Of Being Pure At Heart kombinieren hier verschiedene, damals scheinbar unvereinbar gewesene Stile der 80er. Wäre der Track damals erschienen, hätte man vielleicht gesagt: ok, lasst uns dieses Jahrzehnt abschließen, wir haben alles auf den Punkt gebracht.
Hattet ihr jemals nach einer Packung Pralinen Appetit auf einen Döner? So ähnlich wirkt der Anfang von Hey Paul. Schön post-punkig, schnell, unkitschig. Passt hier perfekt ins Bild, mit, mal wieder, einem tollen Ohrwurm (Keyword #2 dieses Beitrags nach “Stone Roses”
).
Damit sind wir auch schon fast am Ende. Der Strophen-Drumbeat von Gentle Sons zitiert irgendeinen weiteren 80er-Jahre-Song, ich glaube fast von OMD. Passt mal wieder perfekt ins Bild, und bildet nebenbei einen perfekten Abschluss. Das Niveau der Melodien wird beibehalten. In der Mitte wartet ein einfaches, gen Ende noch ein weiteres, schön rotziges Solo im “Definitely Maybe”-Stil auf, welches das Bild nochmal perfekt abrundet. Das mit 34:58 Minuten Dauer ausgesprochen kurze Album bleibt damit keine Sekunde seiner Spielzeit schuldig – von wie vielen anderen Werken kann man das schon sagen. Kein Aussetzer, und wenn man es auf andere Werke mit solchen umrechnet, passt es immer noch absolut. Zumal man ein Album immer noch wieder von vorne starten lassen kann, wenn es durch ist – das schadet hier, bei 80er-Jahre-Nostalgie von feinstem Niveau, gewiss nicht!
Gut übrigens, dass es endlich wieder langsam Frühling wird, so nebenbei bemerkt. Mit so einem Klassiker im Ohr, aus einem Guß wie “Definitely Maybe” oder The Smiths- und Stone Roses-Alben, kann er nur super werden.
Tags: Definitely Maybe, Stone Roses, The Pains Of Being Pure At Heart, The Smiths
[...] At Heart, ist in der Zeit seit dem Release Ihres fantastischen Debütalbums (siehe Album des Monats März ‘09: The Pains Of Being Pure At Heart) nicht faul gewesen. Am 23. Oktober 2009 hat die Band eine neue EP namens “Higher Than The [...]