Juli ’09: The Dead Weather – Horehound
18. Juli 2009 von Vrankey
The White Stripes, The Raconteurs, Jack White & Alicia Keys, und nun The Dead Weather – ich glaube nicht, dass ich von ein und demselben Künstler so viele verschiedene Projekte im Regal stehen habe wie von Jack White. Bei “The Dead Weather” handelt es sich dabei um eine, nach The Raconteurs, zweite Neben-Supergroup des “Chief Stripes” Jack White, den der (mindestens über-)durchschnittlich bierselige deutsche Fußballfan (leider?) primär durch den Song “Seven Nation Army” (“Shaaaaa-lalaaalala-laaaaaa-laaaaaa”) kennen dürfte. Weiterhin dabei sind Alison Mosshart (Sängerin von The Kills), Dean Fertita (Gitarrist von Queens of the Stone Age) und Jack Lawrence (Bassist von The Greenhornes und The Raconteurs). Jack White selbst begnügt sich hierbei um den Platz hinter dem Schlagzeug und vereinzelten Gesängen. Er ist somit quasi die Meg White von The Dead Weather.
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Das Album “Horehound” – auf White’s Label Third Man Records veröffentlicht – beginnt mit dem schleppenden, basslastigen Blues-Stück 60 Feet Tall, das Mosshart singt und vor allem durch Fertitas Gitarrenarbeit besticht. Die Soli klingen weitaus klassisch-rockiger als bei Queens of the Stone Age. Mossheart’s Gesang klingt hier ziemlich subtil und tritt kaum in den Vordergrund. Ein gelungener Opener.
Das zweite Stück, Hang You From The Heavens, ist auch als Vorab-Single bekannt. Der Track klingt im Prinzip wie ein White-Stripes-Song mit Kills-Gesang und eignet sich prima, um Anhänger beider Main Groups “abzuholen”. Nicht sehr auffällig, aber solide.
I Cut You Like A Buffalo bietet die erste grobe Variation des Dead-Weather-Sounds. Hier treten Orgel-Sounds und Jack White’s Lead Vocals in den Vordergrund, die hier für seine Verhältnisse sehr stark mit Effekten beladen sind. Überhaupt gibt es in diesem Track sehr viele Spielereien, die positiv auffalen. Insgesamt ist das definitiv der erste richtige Höhepunkt des Albums.
Weiter geht es mit So Far From Your Heaven, dem getragendsten Song bisher. Ein paar verhaltene “Ausbrüche” bieten Abwechslung, die Stimmung kann durchaus überzeugen. Er mündet subtil in Treat Me Like Your Mother, der zweiten Single – die sich vom Grundprinzip her relativ ähnlich zu “Hang You From The Heavens” aufbaut. Auffällig sind hier einige entfremdete, düstere Sounds, die dem Klang des Songs eine spezielle Note geben und ihn zum bisher rockigsten Track des Albums machen.
Rocking Horse nimmt wieder etwas das Tempo raus. Jack White wirkt hier wieder an den Lead Vocals mit, die – zusammen mit der E-Gitarre – den Song ein bißchen wie “The Union Forever” (siehe White Stripes: White Blood Cells) ohne Orgel wirken lassen. Überzeugt voll und ganz, definitiv ein schöner Track!
Ein schwirrender Effekt bildet den Übergang zum nachfolgenden New Pony, deren Gitarren wieder stark an White Stripes erinnern (auch wenn Jack White diesmal den Rand hält
). Ein wenig überraschender Track, speziell im Vergleich zu Bone House, das mit Drumcomputer(!)-Sounds startet und einen mit einer recht geheimnisvollen Atmosphäre einfängt. Hier überzeugt auch erstmals Mosshart’s Gesang wirklich uneingeschränkt. Das klirrende, quietschende Solo klingt übrigens fast schon klassisch nach White Stripes, reiht sich aber nahtlos in den doch etwas anders als gewohnt klingenden Sound ein.
3 Birds setzt diese Entwicklung fort – klassischer White-Stripes-Sound mit verspulten, wirren, detailverliebten Effekten. So langsam, nach und nach immer mehr, erfasst man die Intention, die Jack White mit seiner neuen Supergroup verfolgt haben dürfte. Hier fällt nicht mal wirklich auf, dass der Song völlig ohne Gesang auskommt – zumindest nicht negativ.
Track Nummer 10, No Hassle Night, ist ein solider Midtempo-Track, der durchaus Grower-Potential hat. Das Grundgerüst besteht aus einer verzerrten Piano-Linie und einer brummenden (wirklich brummenden!!), dennoch subtilen E-Gitarre, die prima harmonieren. Die Gitarre darf sich im Refrain (wobei: Refrain? er wird bei 2:55 Spielzeit nur einmal gespielt) ausbreiten, was hier wirklich gut kommt.
Länger dauert der nachfolgende, letzte Song von Horehound, der den Titel Will There Be Enough Water? trägt. Hier fällt übrigens auf, wie schon übrigens auf dem ganzen Album, dass Jack White ein enorm versierter und facettenreicher Schlagzeuger ist. (Vielleicht sollte er Meg 1-2 Stunden geben, bevor das nächste Stripes-Album aufgenommen wird.
) Wesentlich mehr fällt einem allerdings auf, was für große, lange, ruhige, subtile Abschlusshymnen White inzwischen schreiben kann. Das Raum atmende Piano, die banjoeske Akustikgitarre (oder das a-gitarreske Banjo?), die sphärisch leisen Drums, der zweistimmige Gesang, die subtilen Wechsel – all das fügt sich zusammen zu 6:20, die nie langweilig werden, ohne einen abwechslunsgreichen Showdown bieten zu müssen. Geradezu grandios genial finde ich das zeitweise zu hörende Grillenzirpen im Hintergrund, welches das Feeling einer warmen, chilligen Sommernacht mit viel hartem Alkohol perfekt verstärkt. Das ist vielleicht Jack Whites bisher stärkster Moment. Auffällig ist übrigens auf, wie leicht er hier seine Duettpartnerin im Gesang an die Wand spielt – überhaupt ist sie, wenn das so nennen kann, der “Schwachpunkt” des Albums, welches mit leisem Zirpen ausklingt….
Fazit: Das Album ist experimentierfreudiger und damit interessanter als die Werke von The Raconteurs. Auch wenn Jack White hier nur an den Drums sitzt und im Gesang mal wirklich in die zweite Reihe zurücktritt, ist seine Handschrift nicht weniger erkennbar. Die besten Songs sind für mich, in dieser Reihenfolge: “Will There Be Enough Water?”, “I Cut You Like A Buffalo”, “3 Birds” und “Rocking Horse” – diese und viele andere Tracks zeigen enormes Potential, das aber wohl, vermutlich auch aufgrund der leichten Schwachstelle Leadsängerin, nicht voll ausgeschöpft wird. Gerade die vielen angedeuteten und teils ausgelebten Experimente überzeugen, und lassen einen stärker auf Jack White’s geplantes Soloalbum hoffen….
Tags: Supergroup, The Dead Weather, The White Stripes