Februar '09: Mann, doh! Die ah? Oh!
21. Februar 2009 von Vrankey
Man-do Di-a-o. Für alle erstmal vorweg, die dieses fantastische Wortspiel nicht verstanden haben.
Zu den Fakten: Mando Diao veröffentlichten am 13. Februar ihr nunmehr fünftes Album “Give Me Fire” – mein Album des Monats. Nach dem fantastischen, elektrisch-rotzigen “Ode To Ochrasy” und dem eher durchwachsenen, akustisch-folkigen Nachfolger “Never Seen The Light Of Day” war ja nicht unbedingt absehbar, in welche Richtung das neue Werk gehen soll – bis die Vorab-Single “Dance With Somebody” (zurecht) einschlug wie eine Bombe. Dieser Track deutete ja schon eine völlige Abkehr von der Stilrichtung des Vorgängeralbums an. Und das kann man nun eigentlich so bestätigen!
Der Opener Blue Lining, White Trenchcoat ist vielleicht das rockigste, was die Schweden je veröffentlicht haben. Sogar Death-Gesangselemente sind kurz zu hören. Ungewohnt, aber gut! Als Track 2 folgt dann direkt die Albumversion der Vorabsingle Dance With Somebody – die erstmal mit einem großkotzig anmutenden, einminütigen Instrumentalintro daherkommt und so beeindruckend zeleberiert wird. Nicht umsonst gaben sie zuletzt im Musikexpress ganz unverblümt selbst bekannt, dass das Lied ihrer Vorstellung eines perfekten Pop-Songs verdammt nahe kommt. Ich wage da nicht zu widersprechen.
Mit Live-Stimmung untermalt folgt die 2. Single Gloria, die nicht minder 70er-Jahre-Atmosphäre versprüht. Ein toller Ohrwurm, der zwar nicht ganz so mitreißt wie der Vorgänger – aber wenn sie das Niveau durchgängig halten würden wär das auch unheimlich….
High Heels ist eine schräge, ruhige Nummer zum Durchatmen, bevor mit Mean Street ein Motown-Track vom feinsten folgt. Warum hat man das nicht als 2. Single genommen? Naja, vielleicht wird’s ja die dritte.
Mit Maybe Just Said folgt der bisher typischste Diao-Track des Albums. Hat Grower-Potential.
Der orgellastige Song Nummer 7, A Decent Life, ist mit einer Spielzeit von 1:44 nicht als vollwertiger Albumtrack zu sehen, sondern mehr als (sehr!) sympathisches Instrumentalintro zum Titeltrack Give Me Fire. Dieser präsentiert sich erstmal nicht so kompromisslos als Ohrwurm wie Dance With Somebody, Gloria oder Mean Street, hat aber ebenfalls großes Grower-Potential und könnte ein Highlight auf Konzerten werden – auf dem Album ist er es so und so.
Mit dem sphärischen Akustikgitarren-Track Crystal folgt eine weitere “Verschnaufpause”, auch wenn diese eine andere Intensitivität hat. Ist mit 6 Minuten vielleicht auch bewußt etwas zu lang geraten, bevor es in ein rockendes Album-Finale geht. Zu den besseren Tracks auf dem Album würde ich ihn nicht zählen, aber er passt eigentlich ganz gut an diese Stelle.
Come On Come On, Go Out Tonight und You Got Nothing On Me (bei dem Namen lässt ein Track des letzten Oasis-Albums grüßen
) setzen das Album als klassische, rockige Mando-Diao-Song auf gutem, solidem Niveau fort, bevor mit The Shining der Closer in einem sphärischen Orgelintro startet. Subtil kommt eine simple Base Drum hinzu, plötzlich hört man einige Sythesizer-Klänge und Bläser, bis Gitarren, Bass und Drums richtig loslegen. Was folgt, ist eine toll ausgefeilte Komposition, die den klassischen Stil mit der neueentdeckten Opulenz in der Produktion prima verbindet. Mit Dance With Somebody, Mean Street und Give Me Fire sicher ein Höhepunkt des Albums!
Es lohnt sich auch noch die CD bis zum Ende laufen zu lassen (oder, wer gewieft ist, spult vor
), denn dann folgt noch eine amüsante spanische Interpretation ihres Tracks Leave My Fire Alone als Rausschmeißer.
Das Album muß man erstmal sacken lassen, wenn man wie ich der Ansicht war, dass Ode To Ochrasy bestimmt ihr Höhepunkt bleiben würde. Die neue Opulenz und Vielseitigkeit wird bestimmt von manchen Puristen als “Abkehr von Indie” angeprangert werden, wie bei vielen anderen Gruppen zuvor, die Mut zur Weiterentwicklung beweisen. Aber daran sollten sie sich nicht stören, denn so gut waren sie noch nie! Ihr erstes Album ohne jeden Aussetzer – weiter so, kann ich da abschließend nur sagen. In der Liga der ganz großen, neuen Bands der ‘00er Jahre sind sie nun schon angekommen.
Tags: Dance With Somebody, Give Me Fire, Mando Diao