August ’09: Paul ‘Julian “Skyscraper” Plenti’ Banks
28. August 2009 von Vrankey
Who is Skyscraper? Julian Plenty is…Skyscraper! And who is Julian Plenti? Paul Banks! And who is Paul Banks? The singer of Interpol!
Nun sind hoffentlich alle Klarheiten beseitigt!

Paul Banks a.k.a. Julian Plenty a.k.a Skyscraper
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Paul Banks, Sänger von Interpol, veröffentlichte zur vergangenen Monatswende sein Debütwerk “Julian Plenti is….Skyscraper” unter dem Namen “Julian Plenti”. Ein beeindruckender Overkill an Pseudonymisierung (is….Anonymisierung) schon vorab – doch was taugt das Werk musikalisch? Lasst uns die subjektiv betrachtet wichtigste Neuveröffentlichung des Monats August mal genauer unter die Lupe nehmen:
Only If You Run beginnt mit Soundspielereien und mündet dann in einen Midtempo-Track mit in Gitarren und Gesang unverkennbarer Interpol-Schlagseite, der jedoch etwas treibender im Rhythmus ist und im Refrain mit subtilen Orgelteppichen aufgepeppt wurde. Der Track ist etwas eingänglicher als bisher bekannte Interpol-Songs und hätte am ehesten auf “Our Love To Admire” gepasst.
In Fun That We Had zeigt sich Banks… äh Plenti, d.h. Sykscr… whoever
von seiner rockigsten Seite. Das Basisriff ist fast schon Metal, die Synthiespielereien im psychedelisch angehauchten Refrain klingen sehr erfrischend und neu. Trotzdem schafft es der Interpol-Frontman, den Wiedererkennungswert aus seiner Hauptband zu bewahren.
Mit dem Titeltrack Skyscraper wird es erstmals ruhiger. Akustikpickings im 3/4-Takt, aufgepeppt mit Streichern und atmosphärischen Piano-Zwischenparts, dominieren hier und geben den Vocals Raum für subtile Platzierungen. Langsam steigert sich der Track mit dem Einsatz der Drums. Auf das Strophe-Refrain-Schema wird hier zurecht verzichtet, der Song ist exakt so eine Perle, bis zum letzten Flötenton, der den Track ausklingen lässt.
Games For Days rockt wieder ordentlich und klingt dabei fast etwas “noisy”. Hätte auch gut auf ein Interpol-Album gepasst, vermutlich auf “Antics” – und wäre hier ein Highlight gewesen. Gut vorstellbar, dass der Song aus den entsprechenden Sessions stammt und, aus welchen Gründen auch immer, damals nicht weiter berücksichtigt wurde?
Song Nummer 5, Madrid Song, nimmt wieder das Tempo raus und verfolgt die bisherige ruhige, experimentelle, pianolastige und Interpol-fremde Seite des Albums weiter. Das Niveau des Titeltracks wird hier jedoch leider nicht erreicht, trotzdem besitzt der Track Growerpotential, nicht zuletzt durch seine detailverliebten Spielereien.
No Chance Survival ist mit cleaner, teils hallenden E-Gitarren-Pickings, Kontrabass, psychedelischen Streichern und klirrend-ruhigen Keyboard-Parts fast schon 1:1 Radiohead-esk instrumentiert. Und das steht Plenti ziemlich gut! Hier präsentiert er eine sehr geniale, bisher unbekannte Seite. Wenn Interpol es auf ihrem vierten Album schaffen, diesen Stil mit ihrem klassischen zu kombinieren, können sie unsterblich werden. Die subtilen Bläser-Parts (Oboe?) gen Ende runden das Bild des besten Albumtracks perfekt ab. Sehr, sehr genial!
Das nun folgende Unwind klingt mit seinen leicht trashigen Keyboard- und Bläserparts und seiner etwas inkonsequent wirkenden Songstruktur (plötzlich wird es ruhig, keiner weiß wieso?) insgesamt etwas seltsam, aber vielleicht macht das gerade seinen doch irgendwie vorhandenen Charme aus. Ganz fängt einen der Track nie ein, aber er wird auch nie uninteressant….. ein sehr merkwürdiges Teil.
Girl On The Sporting News ist ein sehr ruhiger wie kurziger Track, der im Prinzip auf einer simplen Akustikgitarren-Lick-Idee basiert. Ein sehr schöner Track zum Entspannen, der wieder zeigt, dass Banks Akustiksongs außerordentlich gut beherrscht – was sich Interpol für die Arbeiten am kommenden Album merken sollten. Schöner Song, auch wenn der Refrain etwas träge ist, auch daher zählt er leider nicht zu den Topfavoriten des Werks.
Weiterhin akustisch – und sehr ähnlich zu Skyscraper im 3/4-Takt – geht es weiter mit On The Esplanade. In dem mit ruhigsten Track des Albums beschränkt sich Plenti instrumentell ganz auf Akustikgitarre, Streicher und leise Soundspielereien. Gerade letztere geben dem Track eine sehr tolle Atmosphäre und lassen ihn zu einem Highlight werden,
Mit Fly As You Might wird nochmals an die (eingangs stärker verfolgte) rockigere Seite des Albums erinnert, diesmal in stark gedrosseltem Tempo. Höhepunkt des Tracks ist das Solo im instrumentalen Refrain. Insgesamt fühle ich mich etwas an “The Nature Of Reality” von Oasis’ “Dig Out Your Soul” erinnert, der dort als ebenfalls vorletzter Track eine ähnliche Schiene fährt und insgesamt etwas langweilt….
Den Abschluss des Albums bietet nicht G, nicht I, nein: H, ein quasi-instrumentaler Song mit versprengten Background-Vocals, der alle ruhigen und experimentellen Seiten des Albums nochmals in einer nicht mal dreiminütigen Klangkollage andeutet und weiterverfolgt. Vermutlich der “unkommerziellste” Song des Albums, aber beileibe(!!) nicht der uninteressanteste. Ich würde ihn nach “No Chance Survival” und noch vor “Skyscraper” als Favoriten des Albums nennen.
Fazit: Interpol-Fans sollten und werden sowieso reinhören. Interpol-Fans mit Lust auf was neues werden das Album lieben. Aber auch dem, der wer die Band bisher nicht sonderlich mochte, könnte dieses Album als Zugangspunkt dienen.
Ist “Julian Plenty is…Skyscraper” ein Blick in die Zukunft von Interpol? Könnte nicht unbedingt das schlechteste sein. Gewisse Trash-Keyboard-Sounds könnte man gewiss optimieren (lassen). Aber die angedeutete Richtung und neue Vielseitigkeit sind gewiss nicht verkehrt, auch wenn man dafür gewiss nicht den typischen, irgendwo doch einmaligen Interpol-Sound über Bord werfen sollte – wie selbst hier übrigens nicht wirklich geschehen ist!
Tags: Interpol, Julian Plenti, Paul Banks, Skyscraper