Stadiondebatte bei 1860
26. März 2009 von Vrankey
Die Diskussion läuft in Fanforen schon lange – sie wurde jedoch bisher von Vereinsseite abgeblockt. Nun hat das Präsidium der Löwen eine “Projektgruppe Stadionzukunft” ins Leben gerufen, die evaluieren soll, welche der verfügbaren Spielstätten in München (und Umgebung) künftig für die Löwen am sinnvollsten ist, oder ob es gar am besten wäre, ein neues Stadion zu bauen. Zudem soll gegebenenfalls bewertet werden, wie die notwendigen Schritte bei einem notwendigen Umzug aussehen müssten. Dieser Beitrag soll in der Stadiondebatte eine subjektive Einschätzung der Wahrscheinlichkeiten liefern, mit der die möglichen Varianten jeweils eintreffen.
Allianz Arena

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Zur Nutzung des bei vielen Löwen-Fans unbeliebten WM-Stadions, das dem Verein über 5 Millionen Euro Unkosten pro Jahr verursacht, ist der Verein im Rahmen eines bis 2025 laufenden Mietvertrages mit der Stadion AG verpflichtet. In dieser AG hat der Lokalrivale Bayern München im wesentlichen das Sagen. Die Verantwortlichen haben in jüngster Vergangenheit mehrmals signalisiert, dass sie den ihnen “lästigen” Untermieter gerne aus den Mietvertrag lassen würden, wenn er die durch den Ausstieg entstehenden Unkosten berappen kann. Diese liegen angeblich im achtstelligen Bereich, also mindestens bei 10 Millionen Euro. Die Höhe dieses Betrages ist zwar wohl der einzige Grund, der die Löwen in der Allianz Arena hält – bei der bestehenden Finanzlage aber ein aktuell scheinbar unüberwindbarer. Um die jährlichen Unkosten zu beseitigen, die eine sportliche Weiterentwicklung in Liga 2 extrem erschweren, würde wohl jede große Veränderung dieses Umstandes (sprich: eine neue Geldquelle in achtstelliger Höhe) genutzt, um aus dem Vertrag auszusteigen. Im Moment ist so etwas aber nicht in Sicht – im Gegenteil, selbst eine Zusammenarbeit mit einem Investor, der nur einen Teil der Summe über Jahre hinweg beigesteuert hätte, ist nach nicht ganz optimalem Handeln der Vereinsführung schon vor deren Start gescheitert.
Wahrscheinlichkeit: 38%
Grünwalder Stadion (a.k.a. Sechzgerstadion)

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Das Stadion an der Grünwalder Straße hat eine unglaubliche Tradition für den Verein und genießt bei den Fans absoluten Kultstatus. Eine Rückkehr in die altehrwürdige Spielstätte würde bei den Anhängern wie 50 Weihnachts- und 100 Geburtstage zusammen gefeiert werden. Allerdings war ihr schon bei ihrer Reaktivierung zur Saison 2004/2005 nur beschränkt Zweitligatauglichkeit bescheinigt worden. Vor dieser Saison hatte sie nur mit Müh und Not die notwendige Drittligatauglichkeit für die Zweitmannschaften der Münchner Profivereine erhalten bekommen. Ein Um- oder gar Neubau würde sehr kostspielig werden und die Zustimmung der Stadt benötigen. Münchens Oberbürgemeister Christian Ude klang in letzter Zeit zudem nicht wirklich angetan von der Diskussion um’s Grünwalder Stadion, sogar ein Abriss der Spielstätte steht im Raum – zugunsten z.B. eines Neubaus an der Rudi-Sedlmayer-Halle.
Man muß nicht groß nachrechnen, um festzustellen, dass ein Auszug aus der Allianz Arena und eine kostspielige Restaurierung des Sechzgerstadions vom Verein aktuell nicht im entfernsten alleine zu stemmen wären. Hierzu wären Investoren und die Hilfe der Stadt notwendig. Pläne für eine Renovierung existieren jedoch und werden von den Fans gefeiert.
Eine Alternative wäre der Einstieg eines Ölscheichs o.ä., der 1860 als sein Hobby benutzt und Spaß daran hätte, zweistellige Millionensummen in den Aufbau eines zweiten international erfolgreichen Münchner Profivereins zu stecken. Solche Gedanken sind jedoch derzeit nur im Reich des Fantasien anzusiedeln – und würden manchen alteingesessenen Anhänger vergraulen, dem die Seele des Vereins etwas bedeutet.
Eine weiterer Weg würde im Abstieg des Vereins in die Regionalliga oder gar tiefer bestehen, sei es aus sportlichen oder lizenztechnischen Gründen, oder gar nach einem Konkurs. Dann müsste der Verein “gezwungenermaßen” aus der Allianz Arena herausgelassen werden und könnte vermutlich ohne größere Schwierigkeiten an der Grünwalder Straße seine Heimspiele austragen – aber ob dieser Preis nicht “etwas” zu hoch wäre….
Wahrscheinlichkeit: 35%
Münchner Olympiastadion

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Die ehemalige Spielstätte aus Erstligazeiten war seinerzeit bei den Fans eher unbeliebt. Inzwischen hat sich das in einer Zeit, in der der Verein als Untermieter des Lokalrivalen in dessen Arena spielen muss, jedoch etwas relativiert. Begleitet durch den Umstand, dass die Löwen sich das Olympiastadion nicht mehr mit den Roten teilen müssten, würde sich ein Umzug an den Olympiapark nun wohl zumindest “mittelmäßiger Beliebtheit” erfreuen.
Zwar wurde das Stadion seit bald vier Jahren nicht mehr für Fußball-Pflichtspiele benutzt, allerdings wären die Kosten für eine gegebenenfalls notwendige Renovierung (im Vergleich zum Grünwalder Stadion) vermutlich überschaubarer. Großes Manko bleiben jedoch die für die Löwen meist unpassende Kapazität und schlechte Stimmung. Letztere liegt darin begründet, dass 1. mit 69.250 Zuschauerplätzen sogar noch mehr als in der Allianz Arena vorhanden sind, 2. keine Ränge existieren, die separat für den Kartenverkauf behandelt werden können, 3. Spielfeld und Zuschauerbereich durch die Tartanbahn getrennt werden und 4. die Steh- und Sitzreihen sehr weit voneinander entfernt sind. Trotzdem wäre die Lösung Olympiastadion, nüchtern und emotionslos betrachtet, die noch sinnvollste Möglichkeit, wenn sich ein Weg aus der Allianz Arena finden sollte. Realistisch betrachtet würde ein Umzug in die alte Spielstätte aber wohl nur dann stattfinden, wenn zwar genug Geld für einen Auszug aus der Allianz Arena, aber nicht genug Geld für die Restaurierung des Sechzgerstadions oder einen Stadionneubau aufgetrieben werden sowie sich ein Großteil der Fans und Funktionäre dafür begeistern lassen würde.
Wahrscheinlichkeit: 20%
Generali Sportpark in Unterhaching

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Eine ebenfalls diskutierte Alternative besteht in einem Wechsel des Vermieters – anstatt des benachbarten Erstligisten könnte der benachbarte Drittligist aus Unterhaching seine Spielstätte zur Verfügung stellen. Diese Möglichkeit stößt bei manchen Anhängern, die in der Vergangenheit gerne über das “Dorf” witzelten, erwartungsgemäß auf wenig Gegenliebe. Auch sollte man bedenken, dass man sich vielleicht ins eigene Knie schießt, wenn man künftig nur noch vor 15.000 Zuschauern spielen kann, was auch beträchtliche Auswirkungen auf die Zuschauereinnahmen haben dürfte – neben Ausgaben würden somit auch Einnahmen eingespart. Diese Lösung wäre also vermutlich höchstens für einen Übergang sinnvoll, gegebenfalls in Kombination mit der Nutzung des Olympiastadions: so könnten Heimspiele vor großem Publikum, wie bspw. gegen Nürnberg oder Kaiserslautern, im Olympiastadion, unattraktivere Partien wie gegen Wehen-Wiesbaden oder Ahlen in Unterhaching ausgetragen werden. Als “zentrale Lösung” dürfte der Generali Sportpark jedoch ziemlich unwahrscheinlich sein.
Wahrscheinlichkeit: 5%
Bau eines neuen Stadions
Neben der Nutzung eines der bestehenden Stadien könnte auch ein Stadionneubau eine Lösung sein. Tatsächlich gab oder gibt es Pläne im Stadtrat, an der Rudi-Sedlmayer-Halle ein neues Stadion für die Zweitmannschaften von 1860 und Bayern zu bauen, da die Drittligatauglichkeit des Grünwalder Stadions für die nächsten Jahre auf der Kippe steht und sogar ein Abriss geplant ist. Ein solches neues Stadion könnte dort von der bestehenden Infrastruktur profitieren. Allerdings würde der Bau eines zweit- oder gar erstligataugliches Stadions diese vermutlich sprengen, allein aufgrund fehlender Möglichkeit für Parkplätze. Für die erste Mannschaft der Löwen wäre dieses Stadion also wohl nicht geeignet.
Als alternative Standorte für ein neues Stadion stehen der Olympiapark und der Stadtrand im Raum. Ein solcher Neubau würde jedoch wohl mindestens die gleichen Kosten verursachen wie eine Restaurierung des Grünwalder Stadions. Wenn das entsprechende Geld vorhanden ist (sei es durch den Einstieg eines Investors oder Scheichs, s.o.), würde das Präsidium wohl eher versuchen, den Plan “Sechzgerstadion” anstatt eines Neubaus an einem anderen Standort durchzusetzen – ansonsten wäre ihm wohl die Abneigung eines Großteils des Löwenanhänger über Jahre hinweg gewiss. Selbst in einem Traumszenario ist diese Variante somit ziemlich unwahrscheinlich.
Wahrscheinlichkeit: 2%
Egal wie es laufen wird – die Löwen brauchen Geld. Das ist zentrale Frage, um die sich alles dreht. Steigen keine freigiebigen Investoren oder “Gönner” ein, ist ein Auszug aus der Allianz Arena fast unmöglich, da mit einem weiteren Entgegenkommen des Bayern-Vorstands kaum zu rechnen sein wird. So müssen die Löwen jedes Jahr über 5 Millionen Euro für Stadionmiete auftreiben, was in der zweiten Liga höchstens durch den weiteren Verkauf von aufstrebenden Spielertalenten und Leistungsträgern zu bewerkstelligen sein wird. Dadurch wird der Aufstieg in die erste Liga, der die Stadionmiete bezahlbar lassen werden würde, in immer weitere Ferne rücken, gar ein weiterer Abstieg wahrscheinlicher, wenn man nicht neue Spieler holt – wofür man jedoch wiederum Geld braucht.
Man kann es drehen und wenden wie man will: ändert sich im finanziellen Sektor nichts, steht bei den Löwen alles auf dem Spiel. Auch die Stadionzukunft hängt allein davon ab. Auswege? Wie genannt: Investoren, Ölscheichs, Aufstieg – eines der drei Wörter sollte bald mit 1860 in Verbindung gebracht werden können, damit sich etwas tun kann.
[...] lange wird eine Stadiondebatte bei 1860 München geführt, bisher jedoch ohne konkrete Ergebnisse. Primär lag das daran, dass Realität und [...]