Welches ist das beste Album von Oasis? Eine berechtigte Frage angesichts des finalen Endes der Band 2009 nach insgesamt 15 Jahren, die mit großartigen Releases gespickt waren. Stimmt es, dass die frühen Alben der mittleren Neunziger die besten waren? Ein subjektives Ranking.

Die besten Alben von Liam Gallagher u.co.
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Nachfolgend ein subjektives Review aller regulären Studioalben von Oasis, in qualitativ umgekehrter Reihenfolge (sprich, mit dem schlechtesten Album beginnend). Best-Ofs wie “Time Flies”, die B-Seiten-Sammlung “The Masterplan” und das Live-Album “Familiar To Millions” sind hier bewusst ausgeklammert.
VII. Heathen Chemistry (2002)
Das Schlußlicht der Liste bildet mit “Heathen Chemistry” der Neuanfang, den die Band im Jahr 2002 markierte. Es war das erste Album mit den neuen Bandmitgliedern Gem Archer (Gitarre) und Andy Bell (Bass) – zwei durchaus nicht namenlose Musiker der britischen Szene, die in keine große Lücke stossen mussten, da ihre Vorgänger Bonehead und Guigsy keine allzu begnadeten Instrumentalisten waren und auch keinen wirklich kreativen Beitrag zum Songwriting leisteten.
Schwerer wog auf diesem Album der erstmalig bewusst herbeigeführte Versuch einer stilistischen Rolle rückwärts, nachdem die Sound-Experimente des Vorgänger-Albums “Standing On The Shoulder Of Giants” bei Fans und Presse erstmals von Beginn an überwiegend negatives Feedback hervorgerufen hatten.
“Heathen Chemistry” ist beileibe kein schlechtes Britrock-Album – aber auch nicht mehr. Die Singles “Stop Crying Your Heart Out” und “Little By Little” sind bis heute Kult und können als Prototypen für Oasis-Hits betrachtet werden. Letztlich ist der Sound des Albums jedoch wenig überraschend und krampfhaft an britischen Standards gehalten, und auch das Songwriting flaut spätestens zur Hälfte des Albums endgültig ab. “(Probably) All In The Mind” ist vielleicht der misslungenste von Noel geschriebene Song, “She Is Love” eine kitschig-langweilige Antwort Noels auf Liams “Songbird”, Andy’s “Quick Peep” ein schlechter Witz und auch das Liam geschriebene Doppel-Finale immer noch weit von dem Standard entfernt, den man in Sachen Songwriting von Oasis gewöhnt ist.
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VI. Be Here Now (1997)
Viele Fans betrachten “Definitely Maybe” als den bestmöglichen Start, “Morning Glory” als den Gipfel des Erfolg, “Be Here Now” als die folgende dekadente Party und “Standing On The Shoulder Of Giants” als den heftigen Kater danach. Eine Metapher, die durchaus zutrifft – allerdings klingt “Be Here Now” dann wirklich wie die Spätphase der Party, in der alle zugedröhnt sind sowie alles außer Kontrolle gerät und demoliert wird.
Übertreibung ist ein Wort, das auf alles zutrifft, was auf “Be Here Now” stattfindet. Hier wird kein Produktionselement ausgelassen, alles mit Orchesterparts zugekleistert, jede Gitarre bis zum Bersten aufgedreht und jede mittelmäßige Idee bis zum Erbrechen repitiert. Alles gipfelt im neunminütigen Abschluß “All Around The World”, das aus einer Songidee entstanden ist, die Noel Gallagher eigentlich schon vor “Definitely Maybe” geschrieben hatte. Dass der Text irgendwann ausgeht, stört nicht – solange Liam Gallagher noch “Na nya na nya” trällern und man sogar noch ein von Billig-Keyboards getragenes Instrumental-Reprise nachwerfen kann.
Nichtsdestrotrotz befinden sich auf “Be Here Now” nicht nur die grandiose Single “D’You Know What I Mean?”, sondern auch versteckte Perlen wie “I Hope, I Think, I Know” und der Titelsong. Auch nicht zu verachten ist das Slide-Gitarrensolo von Gastmusiker Johnny Depp auf dem chilligen “Fade In-Out”. Diese Punkte bewahren “Be Here Now” vor dem letzten Platz des Rankings.
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V. Don’t Believe The Truth (2005)
“Don’t Believe The Truth”, der Nachfolger von “Heathen Chemistry”, ist vermutlich das mit Abstand ruhigste und akustischste Album von Oasis. Zudem integrieren Oasis hier so intensiv wie auf keinem Album zuvor Retro-Soundelemente, so wie z.B. das Lennon-Piano in “Let There Be Love” oder die Drum- und Gitarristenarrangements in “Mucky Fingers”, welches sehr stark an Bands wie Velvet Underground erinnert.
Positiv ist hervorzuheben, dass auf keinem Oasis-Album so sehr die Vielfalt der Songwriter zur Geltung kam. Andy Bell und Gem Archer lieferten auf diesem Album ihre bisher besten Songs ab, und auch Liams Tracks können hier erstmals richtig überzeugen. Allerdings befand sich Noel Gallagher auf diesem Album nicht in Höchstform, was dazu beiträgt, dass das Album teilweise sehr zäh und langatmig wirkt. Trotz allem funktionierten Oasis hier erstmals as “Team”, womit eine wichtige Basis für das grandiose Nachfolgealbum “Dig Out Your Soul” gelegt wurde.
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IV. Standing On The Shoulder of Giants (2000)
“Standing On The Shoulder of Giants” ist zweifelsohne das umstrittenste Album von Oasis, dabei jedoch auch das wohl am meisten unterschätzte. Es entstand in einer sehr schwierigen Zeit, als der große Morning-Glory-Ruhm nach “Be Here Now” endgültig am Abflauen war und sich die Presse weltweit geradezu darauf freute, die Band für ein neues Werk nun endgültig verreißen und eine wahre Götterdämmerung ausrufen zu können.
Hinzu kam, dass die Band erstmals nach einer langen Pause ihren Weg zurück finden musste, zudem zwei Gründungsmitglieder die Band verlassen hatten, Noel Gallagher sich erstmals clean an das Songwriting wagte – und ganz nebenbei ein neuer Stil gefunden werden musste, nachdem der “klassische” Oasis-Stil auf “Be Here Now” in großen Übertreibungen verfranst und regelrecht an die Wand gefahren worden war.
“Standing On The Shoulder of Giants” stellte somit einen massiven musikalischen Einschnitt dar, der sich auch im andersartigen Albumcover und neuen Bandlogo wiederspiegelte. Die Musik auf dem Album war erstmals düster, sphärisch und teils mit psychedelischen Anleihen versehen. Die Band zeigte sich dabei in der Produktion, z.B. in der Auswahl der Drumsounds und -patterns, äußerst experimentierfreudig. Auch die Songs sind fast durchgängig gut, und das Album wirkt wie aus einem Guß.
Leider fehlte letztlich das letzte bißchen Mut zu größeren Veränderungen, was dazu führte, dass “die “alten Oasis” teils sehr altbacken durchklangen. Insgesamt fehlen auch die ganz großen Tracks darauf, die ein Album aus dem gehobenen Mittelmaß reißen können – auch wenn “Go Let It Out” und “Who Feels Love” sicherlich auf jede Hitsammlung von Oasis gehören, “Gas Panic!”, “Where Did It All Go Wrong” und “Roll It Over” von der Fanbasis massiv unterschätzt werden sowie mit “Fuckin’ In The Bushes” der ideale Konzertopener gefunden wurde.
Insgesamt ist “Standing On The Shoulder of Giants” somit (nach Meinung des Autors) deutlich besser als sein Ruf, sein Vorgängeralbum sowie seine beiden Nachfolger.
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III. (What’s The Story) Morning Glory (1995)
“Morning Glory” ist das erfolgreichste Album von Oasis und gilt auch als der Favorit vieler Fans. Mit “Wonderwall” und “Don’t Look Back In Anger” enthält es die beiden größten Hits der Band – und auch “Some Might Say” sowie “Champagne Supernova” sind unsterbliche Klassiker in der Bandhistorie. Hinzu kommt “Roll With It”, dessen Single-Release Teil des legendären Britpop-Battles zwischen Blur (“Country House”) und Oasis war. Nicht zu vergessen ist auch “Hello”, einer der besten Opener der britischen Rockmusik.
Warum aber ist das Album in diesem subjektiven Ranking “nur” auf Platz 3 zu finden? Der Grund hierfür liegt primär darin, dass auf dem Album neben den genannten, herausragenden Songs wenig spannendes zu finden ist. “Hey Now”, “Cast No Shadow”, “She’s Electric” sowie die beiden langatmigen, namenlosen Ausschnitte aus dem Instrumental “The Swamp Song” sind unspektakulär und bieten keine Überraschungen. Sie wurden bewusst so geschrieben und produziert, dass sie niemandem wehtun – mit extrem eingängigen Versen und Refrains, braven Gitarrenparts und dezentem Pop-Rock-Kitsch versehen. Diese Songs werden leider schnell langweilig, können nie wirklich begeistern und sind letztlich nur “Füllstoff”, der die genannten Klassiker wie Kleister zu einem Album zusammenfügt und -hält.
Folglich ist es ein Album, das man eher selten am Stück hört – man pickt sich vielmehr einzelne Geniestreiche heraus. Diese sind allerdings wirklich Geschichte, und zwar ganz große Musikgeschichte.
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II. Dig Out Your Soul (2008)
Das letzte Album von Oasis, “Dig Out Your Soul”, bildet einen exzellenten Abschluß der Oasis-Diskographie. Während seine beiden Vorgänger den Eindruck vermittelten, dass die Luft bei Oasis raus sei und ein Ende der Band bevorstehe, klang dieses Album erstmals wieder frisch, neu, experimentierungfreudig und vielfältig.
Nie zuvor haben Oasis die Grenzen ihres Sounds so vielseitig erforscht und kombiniert – sei es im The-Doors-White-Stripes-Hybrid “Waiting For The Rapture”, dem psychedelischen Sound-Gewitter von “The Shock Of The Lightning”, der Kasabian-Club-Sound-Atmosphäre in “To Be Where There’s Life” oder dem sphärischen “Falling Down”, das bereits den Klängen der High Flying Birds vorausgreift. Auch Noels Semi-Instrumental “(Get Off Your) High Horse Lady”, dass sich auf entspannte Art und Weise wenig um konventionelle Songstrukturen und Akkordprogressionen kümmert, kann durchweg überzeugen.
Über allem thront auf diesem Album jedoch der Opener “Bag It Up”, der alles vereint, was die späten Oasis ausmachte. Die Gesangsstimmen von Noel und Liam harmonieren in den Strophen perfekt, die Gitarren rocken wie nie zuvor, aus den Drums wird der intensivste Groove herausgedroschen, den man sich bei Oasis vorstellen kann, und das psychedelische Ende des Tracks bildet den Höhepunkt der Platte. “Bag It Up” ist damit einer der besten Songs der Band insgesamt – wurde aber leider völlig verkannt.
Die einzigen negativen Punkte der Platte sind eine leichte Inhomogenität, die das Auseinanderdriften zwischen Noel Gallagher und den Beady-Eye-Gründern bereits mehr als andeutet, sowie songwriterische Schwächen gegen Ende des Albums (den genialen Closer “Soldier On” jedoch ausgenommen). Hier fragt man sich, warum anstatt des Ausfall “Ain’t Got Nothing” nicht Liams Meisterstück “Boy With The Blues” berücksichtigt wurde, das leider lediglich auf der Deluxe Edition des Albums zu finden war.
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Nichtsdestotrotz bildet das Album fast den qualitativen Höhepunkt des Oasis-Diskographie – fast. Wäre da nicht das Debütalbum der Band.
I. Definitely Maybe (1994)
“Definitely Maybe”, das Debütalbum von Oasis, definierte nicht nur den Stil der Band – es war auch stilprägend für eine ganze Generation von folgenden Künstlern. Selten wurde in der Musikgeschichte mit einem simplen, rotzigen, unverfälschten, dabei aber neuen Sound alles auf den Punkt gebracht, wonach sich die Musikwelt in seiner Zeit sehnte. Das Werk bildete einen Kontrastpunkt sowohl zum mit Electro und Hip Hop überladenen Pop als auch zum düsteren Grunge und Metal der frühen Neunziger Jahre. Die Songs auf “Definitely Maybe” klingen einfach, authentisch und optimistisch – und hatten einen ganz eigenen, aber dennoch wohlvertrauten Sound, der keinerlei zusätzliche Produktion benötigte.
Die Kompositionen waren dabei eine Art “Best Of” eines bis dato völlig verkannten Songwriter-Genies. Noel Gallagher hatte über die Jahre hinweg fantastische Lieder wie “Live Forever”, “Slide Away”, “Supersonic”, “Rock’n'Roll Star”, “Bring It On Down” und “Columbia” aufbewahrt, die nur darauf warteten, ins Rampenlicht zu treten. Dabei passte die Zusammenstellung der Songs bis ins Detail – selbst vermeintliche Filler wie “Digsy’s Dinner” können im Kontext des Albums sofort überzeugen. Die Songs wurden von Sänger Liam Gallagher, dessen Stimme zu dieser Zeit noch voll auf der Höhe befand, in den Aufnahmen zudem perfekt in Szene gesetzt.
Das Songwriting-Genie von Noel Gallagher und die Stimme von Liam Gallagher – diese Kombination ist das, was den genialen Kern von Oasis immer ausmachte. Auf diesem Album erhält man jenen Kern in absoluter Reinform. Jeder Song auf “Definitely Maybe” wurde von Noel Gallagher geschrieben und von Liam Gallagher gesungen. Songwriting-Gehversuche von Liam Gallagher, im Vergleich reizlose Vocals von Noel Gallagher sowie Lieder von anderen Musikern wie Gem Archer und Andy Bell fehlen hier völlig, werden aber zu keiner Sekunde vermisst. Das liegt einzig und allein daran, dass die Kombination Noel/Liam läuft hier zu absoluter Höchstform auflief – sowohl einzeln betrachtet als auch im Teamwork der beiden.
Betrachtet man das Niveau auf “Definitely Maybe” als Messlatte der Band, so muss jedes folgende Album darunter liegen. Auf “Morning Glory” wurde der Bandsound bereits durch Pop-Rock-Einflüße verwässert und Noel hatte nicht mehr so viele Meisterstücke in petto – einzig Liams Stimme klang hier vielleicht ein wenig pointierter als auf dem Debüt. Schon seit “Be Here Now” ging es mit dieser jedoch bereits stetig abwärts. Hinzu kommt, dass der Bandsound im Laufe der Zeit immer weiter verwässert und altbackener wurde. Erst mit “Dig Out Your Soul” konnte sich Band wieder ein Stück weit neu erfinden, ohne jedoch die Genialität dieses Werkes zu erreichen.
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This is history – and will ever be, and live forever.
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